37 VASSILENA SERAFIMOVA ∙ QUATUOR ARDEO Erik Satie, der das Talent hatte, sich mit seinen Musikerfreunden zu zerstreiten, ließ sich dennoch von ihnen beeinflussen und weckte deren Interesse mit seinem originellem Stil. Für seinen Zyklus Pièces Froides hatte er eine Orchestrierung für Klavier erwägt, schrieb diese jedoch nie. Vassilena Serafimova ist die Autorin der Transkription für Marimba solo, über die sie Folgendes sagt: „Neben den Werken von Debussy und Pärt wollte ich eine Musik außerhalb der Zeit und jeglicher genau definierten Ästhetik, deren hypnotischer Charakter unsere Zeitlichkeit des Augenblicks zerbricht.“ Der Zyklus besteht aus zwei Sammlungen mit je drei Stücken (Airs à faire fuir und Danses de travers). Hier wurden die Danses de travers bearbeitet. Die 1897 beendeten Tänze sind zugleich erzählerisch und nachdenklich und basieren auf einer einzigen musikalischen Idee. Als Anekdote: Satie zögerte beim Titel des ersten Tanzes. „En y regardant à deux fois“ (zu Dt.: Indem man zweimal hinsieht) hätte auch „Sieh zweimal hin“ oder „Sieh gut hin“ werden können. Diese (untanzbaren) Tänze sind weniger bekannt als andere Stücke des Komponisten und heben dank der Marimba nicht nur den Geist der Variationen zum selben Thema hervor, sondern geben auch Reise und Meditation ein. Einige – wie John Cage – sahen darin die Vorahnung des Minimalismus.
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