33 VASSILENA SERAFIMOVA ∙ QUATUOR ARDEO Man bedenke, dass das im April und Mai 1904 komponierte Stück ein Auftrag des Konservatoriums Brüssel für einen Pleyel-Harfe-Wettbewerb war. Unbeholfen baten die Schüler des Konservatoriums den Direktor François-Auguste Gevaert (1828-1908) um die Zustimmung zur Stückauswahl. Der beleidigte und nicht zu Zugeständnissen bereite Debussy schrieb seinem Verleger: „Denkt [der Direktor des Konservatoriums], dass die Musik Schimpfwörter enthält und seinen Schülern die Schamesröte ins Gesicht treibt? […] Wenn Belgien nicht zufrieden ist, kann es seine Wettbewerbsstücke im Gefängnis schreiben lassen.“ So wurde das Werk letztendlich Gustave Lyon gewidmet, dem Direktor des Hauses Pleyel, das unter anderem Harfen herstellte. Die beiden Stücke wurden vom Orchester Concerts Colonne unter der Leitung von Edouard Colonne am 6. November 1904 mit der Harfenistin Madame Wurmser-Delcourt als Solistin uraufgeführt. Zu dem Zeitpunkt steckte Debussy mitten in der Komposition von La Mer, und der Einfluss dieser „Sinfonie“ ist in den beiden aufeinanderfolgenden Teilen der Danses zu erkennen. Hier spricht man oft von „raffinierter Präzision“. Der Dreierrhythmus beschwört eine ferne Melodie der Renaissance herauf. Die Streicher tragen den Gesang und sichern den Fluss der Stimmungswechsel. Die Geschmeidigkeit der Phrasen führt den ersten Tanz beinahe bis zur Stille. Dann, in Danse profane bricht der Klang der Marimba zu einem zarten Walzerrhythmus hervor, mal nostalgisch, mal schillernd vor Virtuosität.
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