37 CÉDRIC PESCIA Sie haben beschlossen, die Reihenfolge der Französischen Suiten zu ändern. Womit begründen Sie Ihre eigene Anordnung? Es ist nicht genau bekannt, in welcher Reihenfolge Bach sie komponiert hat, etwa 1720, 1724. Zudem weiß keiner, ob er sie in einem Zug geschrieben hat. Tatsache ist, dass er für die Ausgabe eine Anordnung von drei Suiten in Moll, dann drei Suiten in Dur gewählt hat. Dabei ist zu bedenken, dass es nicht seine Absicht war, den Zyklus öffentlich aufführen zu lassen. Für das Konzert funktioniert es meines Erachtens viel besser, wenn man zwischen den beiden Tonarten wechselt. Doch es handelt sich dabei um eine absolut subjektive Entscheidung. Haben die Tonarten Dur und Moll besondere Bedeutungen bei Bach? Er bevorzugte immer die sonnigen Eigenschaften von Dur und erlangte mit Moll tragische oder dramatische Tiefen, dergleichen wenige Komponisten erreicht haben. Andere Stücke in Moll verströmen eine intensive Melancholie. Über die Tonarten hinaus, die er so unterschiedlich behandelte, sollten auch die Tonalitäten unterschieden werden. Denn damals hatte jede von ihnen einen besonderen Sinn und verwies auf präzise Emotionen, was Bach absolut verinnerlicht hatte. Allerdings hört man dies weniger bei gleichschwebender Stimmung. Darum habe ich mich für die Stimmung meines Klaviers entschieden, die sich der zu Bachs Zeit praktizierten ungleichschwebenden Stimmung annähert.
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