34 BACH | FRANZÖSISCHE SUITEN (BWV 812-817) Und die Tänze sind nicht alle französisch! Die Suiten bekamen ihren Titel wahrscheinlich später. Zwar enthalten sie mehrere französische Tänze, zum Beispiel das regelmäßig wiederkehrende Menuett, jedoch nimmt uns Bach auf eine musikalische Europareise mit – mit der spanischen Sarabande, der irischen Gigue und Verweisen auf die italienische und polnische Tradition. Bach, der Deutschland nie verließ, hatte die Seele eines Reisenden. Er war ein kultivierter Mann und ein großer Humanist, der enorm viele Partituren las und abschrieb, ausländischen Künstlern auf der Durchreise zuhören ging und seine Sprache aus mannigfachen Stilen zog, sowohl aus der Kunst- als auch aus der Volksmusik. Er fordert uns hier auf, im Geiste alle möglichen Tanzschritte wieder zu erschaffen, die unsere Gesten auf der Klaviatur leiten. Man stellt sich vor, wie man die Füße hebt, sie mit Leichtigkeit oder Schwere wieder aufstellt, in den Schuhen eines Bauern oder eines Aristokraten. Denn alle Gesellschaftsschichten sind vertreten. Und das Bewusstsein des Körpers in Bewegung, der Schwere und dann der Erhöhung hilft uns, zwei wesentliche und sich ergänzende Aspekte in Bachs Musik zu unterstreichen: das Erdenreich und das Himmelreich.
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