33 CÉDRIC PESCIA Die Menschlichkeit der Suiten ist umso offensichtlicher, als sie nicht mit einem majestätischen Präludium beginnen, sondern mit einer Allemande von allgemein großer Sanftheit. Man begibt sich sofort in eine Welt der Zärtlichkeit… In der Tat. Bach legt bei der Behandlung der Tänze, die größtenteils nicht in Mode waren, viel Feingefühl an den Tag. Man schwelgt in Erinnerungen oder gar in Nostalgie für etwas, das noch im kollektiven Gedächtnis ist, aber der Vergangenheit angehört. Die Stücke sind selten überschwänglich, vielmehr zurückhaltend. Und im Kern jeder Suite steht an dritter Stelle systematisch eine Sarabande. Die Emotion erreicht ihren Höhepunkt, das Herz schlägt, es geht mit ihm durch, es leidet zuweilen. Doch alles geht sehr schnell vorbei, wenn man sie im Konzert gibt. Man reist in eine emotionale Welt und findet sich nur wenige Minuten später in einer ganz anderen Stimmung wieder. Der Übergang von einem Tanz zum nächsten stellt für den Interpreten eine wahre Herausforderung dar, so verschieden sind ihre Charaktere und sogar Stile. Ich muss dabei an die Schumannschen Zyklen denken, in denen kurze Stücke mit kontrastreichen Stimmungen aufeinanderfolgen.
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