31 CÉDRIC PESCIA Erinnern Sie sich an Ihre Entdeckung der Suiten und Ihre ersten Emotionen angesichts der Stücke? Sie traten in mein Leben, als ich zwölf oder dreizehn Jahre alt war und faszinierten mich sofort. Sie sind knapper als die Partiten oder die Englischen Suiten und enthalten Wiederholungen in jedem Stück. So konnte ich mich wunderbar austoben und meine Kreativität entwickeln. Damit wurde mir schon sehr jung bewusst, dass man sich nie wiederholen, sondern jede musikalische Phrase bei ihrer Wiederkehr anders beleuchten sollte. Umso mehr als diese Stücke mit pädagogischem Ziel zu Bachs anrührendsten gehören. Für die Finger sind sie weniger anspruchsvoll und in Bezug auf den intellektuellen Aufbau weniger komplex als seine anderen großen Zyklen, jedoch regen uns die Französischen Suiten dazu an, eine Form der Bescheidenheit in unserem Spiel vorzuziehen und die Effekthascherei zu vergessen. Es ist eine innige Musik, für die man als Interpret viel von sich geben muss. Und in diesem Zyklus sind die wesentlichen pädagogischen Ziele des Komponisten vereint: das Schulen von Fingern, Kopf und Herz.
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